Entstehung von Familiennamen

Die fünf Gruppen der Familiennamen

Familiennamen wurden aus fünf Bereichen geschöpft :

1. Patronyme, -nymika (Vaternamen). Personen wurden nach dem Rufnamen ihres Vaters benannt: Hans Petersohn, Karl Friedrich(s). Metronyme, -nymika, d. h. von der Mutter abgeleitete Familiennamen, sind seltener: Meiensohn 'Sohn der Maria'. Manchmal können sich Familiennamen aus Rufnamen von anderen Verwandten, Dienstherren, Klosterpatronen usw. entwickeln. Kölner Familiennamen wie Quentin, Pantlen können z. B. auf Zugehörige der Klöster St. Quintin oder St. Pantaleon zurückgehen. Sekundäre Patronymika sind Familiennamen, die nicht aus dem Rufnamen, sondern aus einer anderen Kennzeichnung des Vaters entstanden sind: wenn z. B. »Kurt, der Sohn des Bäckers« zu Kurt Beckers wurde.

2. Herkunftsnamen. Zugezogene wurden nach ihrem Herkunftsort benannt: van Beethoven 'aus Betuwe' (in Belgisch-Limburg). Auch Namen nach der Herkunft aus einer bestimmten Landschaft, einem Land, einem Volk bzw. Stamm fallen in diese Kategorie: Allgaffer 'der aus dem Allgäu', Unger 'der Ungar', Böhm/Bea/Beheim 'der Böhme'.

3. Wohnstättennamen. Einheimische wurden oft nach der Stätte benannt, an der sie wohnten: Dorer'der am Tor'. Eine Untergruppe bilden die Familiennamen, die aus Häusernamen abgeleitet sind: Lilje 'der im Haus zur Lilie'. Gruppe 2 und 3 sind oft schwer zu trennen. Ein Althaus oder Berg kann in einem alten Haus bzw, am Berg wohnen, aber auch aus einem der vielen Orte namens Althaus bzw. Berg zugezogen sein. Daher werden die Wohnstättennamen oft als Untergruppe der Herkunftsnamen behandelt.

4. Berufsnamen. Personen wurden nach ihrer gesellschaftlichen Stellung benannt, bes. nach Stand und Beruf:
Silcher 'der Fleischräucherer'. Direkte Berufsnamen wie Wagner bezeichnen den Beruf unmittelbar, indirekte nur mittelbar, z. B. nach einem charakterist. Werkzeug oder Merkmal dieses Berufes: Mehlhose den Müller, Hebel 'Sauerteig' den Bäcker, Hammer den Schmied. Indirekte Berufsnamen beziehen sich zwar auf den Beruf, aber in der Art von Übernamen. Oft sind sie von diesen nicht zu trennen und daher problemloser unter die nächste Gruppe einzuordnen, z. B. Kapp, was Übername für den Träger einer Mütze/eines Kapuzenkleides sein kann, aber auch indirekter Berufsname für deren Hersteller.

5. Übernamen. Der Träger wird nach körperlichen, charakterlichen oder biographischen Eigenheiten benannt:
Dörr 'der Dürre', Frahm 'der Tüchtige'.