GLOOR

Geschichten aus dem Leben der
Gloor über 6 Jahrhunderte

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1400-1499
1500-1599


1600-1699
1700-1799


1800-1899

Gloor in den verschiedenen Dörfern um den Hallwylersee:

Alliswil/Boniswil, Birrwil, Dürrenaesch, Egliswil, Hallwyl, Kulm, Leutwil, Retterswil, Schöftland, Seengen, Seon

14. Jahrhundert

Im 14 Jh. wurde durch die Pest ein Viertel der Bevölkerung ausgelöscht. Der Höhepunkt war 1349. Weitere Pestjahre waren:1366, 1394, 1492, 1519, 1525, 1536, 1541, 1543, 1549, 1552, 1564, 1577, 1584, 1590-97, 1609-11, 1628-30, 1635, 1639, 1665, 1667-69.

15. Jahrhundert

Um 1450 spalten sich die Gloor in zwei Linien auf: Birrwil/Leutwil/Schwaderhof/Seengen, Untertanen von Hallwyl und die Linie Dürrenaesch/Kulm, Untertanen von Liebegg. Dies widerspiegelt sich sehr schön in der Entwicklung der Familienwappen. Die Gloor der Herrschaft Liebegg sanken wohl etwas im sozialen Niveau. So wurde aus dem Schwert im Wappen zuerst ein Kreuz, dann ein X und später gekreuzte Zimmermannswerkzeuge, während der Birrwiler Linie das ursprüngliche Wappen erhalten blieb. Die Gloor der Linie Birrwil /Leutwil werden ab dieser Zeit so oft wie kein anders Geschlecht als Untervögte und Richter der Herren von Hallwyl erwähnt.

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16. Jahrhundert

Am 5.Juli 1543 trat ein Schiedsgericht zusammen, das Grenzstreitigkeiten zwischen den Dörfern Zetzwil und Birrwil zu schlichten hatte. Der Aufmarsch ist eindrücklich:
Augustin von Luternau (Liebegg) selbst, Caspar und Hartmann von Hallwyl mit Untervogt Hanns Glaar (Gloor) aus Leutwil, Batt von Luternau, Schultheiss von Aarau, Batt Ludwig von Mülinen und diverse mehr.

Am 3. April 1593 hat Johann Heinrich Glaar, Untervogt zuo Birwil im Namen des edlen und wisen Augustin von Luternow (Herr von Liebegg) Gericht gehalten. Richter waren der Bauer Zingg von Liebegg, Clemenss Nussbaum, Andreas Starchmann und Heinrich Reber. Es ging um Landverkäufe, Erbschafts- und Besitzstreitigkeiten.

1599 wurde der Schneider Hans Glaar aus Dürrenaesch verwiesen, weil er Haus und Herd verkauft hatte.

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17. Jahrhundert

Das Geschlecht Gloor  lässt sich seit dem späten 16. Jh. in Schöftland nachweisen. Mehrmals werden  Gloor als Säckelmeister erwähnt; als Statthalter ist 1624 Adam und 1648 Silvester genannt. Silvester gehörte der «Bären», er tauschte ihn 1660 gegen  den «Leuen». Zahlreiche Gloor und ganze Familien wanderten im 19. Jh. nach  Amerika aus.

Eintragung im Totenrodel von Birrwil: Niclaus Gloren (1646-1657), ein Kind von Hans, so am Abend zuvor als er beim Feuern gsin, seine Kleidlin anzündt und übel brönnt, und es bis nachts umb 12 Uhren müssen sterben.

Der Bauernkrieg war ein Ereignis von Schweizweiter Bedeutung, die Bauern lehnten sich gegen die Unterdrückung und zu starke Steuerlast der Berner auf. Die Wut richtete sich auf die Stellvertreter der Obrigkeit in den einzelnen Orten. So wurden zum Beispiel Luzern und Bern belagert. Interessant ist, dass fast alle Untervögte als Bauernführer auf diesen Zügen dabei waren, so auch Niklaus (Bartle) Gloor, seinerzeit Untervogt in Birrwil.
Die Bauern wurden von den Berner- und Zürcher Truppen vernichtend geschlagen und jedes Dorf zu einer Busse zwischen 166 und 4318 Gulden verurteilt, an der sie noch Jahre zu tragen hatten.

1640-1688 wurde die alte Kirche in Birrwil repariert. Im letzten Jahr schienen grosse Unwetter die Kirche stark beschädigt zu haben, weshalb 1689 eine neue gebaut wurde. Am 6.Oktober wurde hier Hans Caspar Gloor als erster auf dem neuen Taufstein, dem heutigen, getauft.

1693 wird Jakob Gloor, Sohn des Gloorenhof Bauern von seinem Wagen in Seon erdrückt, als er den 10. aufs Schloss Lenzburg führen wollte.

1697 Wurde Johannes Gloor auf der Liebegg in Gefangenschaft gesetzt, weil er mit Hans Joggeli Gloor „in dem wirzhouss überweint, hernach in bedacht Gloren houss noch gebranntes gesoffen bis morgens umb 3, als er hernach beim Proundhouss vorbei gegangen, gejauchzt, ist deswegen zuo Liebegg mit gefangenschaft abgestraft worden“.

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18. Jahrhundert

1700 wird Heinrich Gloor mit einem Pfund gestraft, weil er am Neuen Jahrstag den Gottesdienst unterlassen und nach Sursee z’werk gegangen.

1703 erwürgte Babi Hochstrasser, die Frau von Rudolf Gloor einen Knaben, den Sie aus einem Verhältnis mit einem Herrn aus Zürich hatte. Sie wirft das Kind über die Friedhofsmauer, wo es dann auch begraben wird. Selbst unter der Marter auf Schloss Lenzburg leugnete sie die Geschichte.

1705 lässt Junker von Graviset Samuel, des Untervogts Sohn wegen Liederlichkeit und vergeblicher Warnung von Liebegg aus ab der Kanzel verrufen und ihm die Wirtshäuser verbieten, er soll auch die Posaune abgeben, da es sich nicht schicke, dass ein solcher Weinschlauch (Samuel) zum Kirchengesang blase.

1712 Uli Gloor fällt bei der Schlacht auf dem Langenfeld bei Villmergen. Nachdem ihm die Hand zerschossen wurde hat er einem Luzerner die Halbarte aus der Hand gerissen und noch 4 totgeschlagen, bevor er erschossen wurde. Er hinterliess 9 Kinder.

1721 am 7. November wurde Ruedi Gloor vom „Berg“ (Birrwil) und sein Weib Barbara Caspar vom Chorgericht mit einem Gulden gestraft, weil ihr Kind schon 18 Wochen nach der Hochzeit zur Welt kam.

1720 erhängte sich Samuel Gloor aus Gram seiner Überschuldung. Er musste sofort von seinen Geschwistern begraben werden, da die Leute glaubten es bräche Unglück ihn anzufassen, sogar, dass das Pferd zusammenbreche und sterbe, das den Leichenwagen ziehe.

1724 lässt Junker von Graviset die Chorrichter von Birrwil auf's Schloss Lenzburg bringen und stellt Statthalter Klaus (Niklaus) Gloor in seinem Amte ein wegen aufrührerischen Eingaben zugunsten der Müllerin und ihrem Mahlknecht, welcher hernach aus dem Dorf verwiesen wird.

1724 lässt Junker von Graviset verlangt von Birrwil 88 Silberkronen wegen eines Tavernenstreits. Der Landvogt auf Lenzburg verwendet sich bei den Gnädigen Herren von Bern wegen des gefangen gesetzten Tavernenwirts Gloor, den der Junker schröpft und mit Strafbussen belegt. Die Birrwiler zahlen nicht und ihem Untervogt wird wegen der schuldigen Kosten Leibhaft angelegt und er muss für 4 Tage ins Gefängnis.

1750 gab es so viele Gloor, dass sie alle Zunamen erhielten (nach des Vaters Herkunft, Vornamen oder Beruf), so: s’Mosis (der vom Moosacker), s’Baschis (Baschis Sohn), s’Baschijoggelis(Baschi-Jakobs Sohn),  s’Chäspis (Kaspars Sohn), S’Schuenis (Schuhmachers Sohn), s’Schuemächerlis (Schuhmachers Sohn), s’Chüefers (des Küfers Sohn), s’Fritze (Sohn vom Fritz), s’Christes (Christophs oder Christians Sohn), s’Rüedels (Ruedis Sohn), s’alte Vogts (Sohn des ehemaligen Vogtes), s’Foxbecke (?), s’Bergruedis (Ruedi vom Berghofs Sohn), s’Bergmelchers (Melchior vom Berghofs Sohn), s’Bergschwarze (des Schwarzen vom Berghofs Sohn), s’Schöfers (Schäfers Sohn), s’Metzgers (Metzgers Sohn), s’Gigers (des Geigers vom Schwaderhof Sohn), s’Deckers (?), s’Musers (Mausers Sohn), s’Nogges (?), s’Börzus (?), s’Bicke (?), s’Martis (Martins Sohn), s’ Schmidts (des Schmieden Sohn).

Ab 1753 wurde Ruedi Gloor aus dem Schwaderhof mehrmals vom Chorgericht bestraft, weil er zum Tanz gegeiget.

1766 am 28. Mai  leitete Rudi Gloor aus dem Schwaderhof dem Hans Ruedi Gloor aus Alliswil das Wasser um, um seine Felder zu bewässern. Dieser wehrte sich, worauf der Ruedi den anderen 50 mal Lumpenhund und Schelm schimpfte. Als Ruedi dann eine Hacke nahm, um auf den Hansruedi loszugehen, geschah folgendes: „Und mag es geschehen seyn, dass er dem fürchterlich bewaffneten Ruedi mit beyden Händen ins Haar geschossen um grösseres Unglück zu vermeiden. Im Zweykampf lag nun Hansruedi zuerst unden und wurd vom Ruedi hart gewürgt. Hat dieser dann etwas Schlags erhalten, war das doch nur rechtens.“
Das Ganze führte dann zu einer Klage bei den Herren von Hallwyl, deren Ausgang aber nicht bezeugt ist.

1773 baute Rudolf Gloor die Kirchturmuhr von Birrwil, die bis 1947 in Betrieb war und heute im Seengener Mehrzweckgebäude ausgestellt ist.

1780 wurde dem Daniel Gloor das Kind Heinrich Gloors verdingt, wegen schlechter Aufwartung und Erziehung bei demselben. Am 19 November jedoch verstarb das Kind „ist das Kind im Herren entschlafen und versetzt worden in die Ewige Freud und Seeligkeit“.

1787 wurde der Heinrich Gloor als Holzweibel (Forstverwalter) auf Schloss Hallwyl vereidigt. Die Entlöhnung mussten allerdings die Alliswiler Bauern übernehmen, da der Hallwyler Wald auf deren Gemeindegebiet lag. Er hatte die Leute anzuzeigen, welche beim Lauben, Gras schneiden oder Holz sammeln erwischt wurden. Die Aussage des Holzweibels galt als „Vollgültiges Beweisthum“. Meist war der Holzweibel auch Feldhüter, der darauf zu achten hatte, dass niemand Obst oder Nüsse mitlaufen liess. Die Strafe für tagsüber begangene Straftaten war 50 Rappen, nächtliche Taten wurden mit dem vierfachen gebüsst.

Am 14.10.1797 trafen sich die Brüder Jakob, Hansruedi und Samuel Gloor aus Alliswil und deren Schwager Johannes Bührer und wurden dazu verpflichtet für ihre Schwester Johanna zu sorgen. Diese musste dafür jede Woche ein Pfund Baumwollgarn spinnen, dafür soll sie “zu ässen haben, so wie es die Haushaltung mitgibt“.

1798 fällt der wohlhabende Hallwyler Bauer Melcher Gloor im Kampf gegen die Franzosen. Er war Unterleutnant und mit Verena Urech verheiratet. Er war Bürger von Retterswil. Als Dragoner stach er mit seinem Sabel einen Franzosen nieder und wurde gleichzeitig von mehreren Schüssen durchbohrt.

Am 30. November raportierte der Landvogt den Gnädigen Herren von Bern, dass Samuel Gloor (wohl aus dem Schwaderhof) in Alliswil den Twinghag zwischen Leutwil und Hallwyl mutwillig abgeschnitten und ausgestockt hätte. Der Samuel Gloor sey dann von Abraham Johann von Hallwyl zu einer Geldbusse und drei Tage Gefangenschaft verurteilt worden, wogegen er  an den Landvogt appellierte. Dieser war der Meinung, dass alles was Grenzstreitigkeiten anbetrifft in seinen und nicht der Herren von Hallwyl Machtkompetenz falle. Die Hallwyl wehrten sich und die Gnädigen Herren von Bern urteilten gegen ihren eigenen Landvogt: „27.2.1779; Herr Amtmann habe übel geklagt und Herr von Hallwyl nach habender Cometenz geurteilet.“ So musste Samuel Gloor doch drei Tage sitzen.

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19. Jahrhundert

1801 verkaufte Hansruedi Gloor aus Alliswil seinen Baumgarten, behielt aber den alten Riebrätschler Birebaum, um ihn im Herbst auszugraben und selbst zu nutzen.

1803 wurde in Alliswil zum ersten Mal eine Gemeindeversammlung abgehalten. Elf Bürger von Alliswil und Schwaderhof versammelten sich im Schulhaus. 7 der 11 Anwesenden hiessen Gloor.

Am 18. Mai 1809 wird Christian Gloor aus Leutwil vom Scharfrichter Johannes Huber auf Beschluss des Oberamtmannes Bertschinger enthauptet. Er gehörte einer Bande an, die wegen fortgesetzten Diebstählen vom Apelationsgericht verurteilt wurden. Sein Kumpan Samuel Bollinger wurde an den Pranger gestellt. "Obwohl die beiden Pfarrherren Strähl und Schinz, die den Verurteilten alle 6 Stunden vor seinem Tod besuchten sich nicht schonten, zeigte der Verurteilte keine Reue und trank allen mitgebrachten Wein selbst". Der hat 54 Rappen gekostet und den Oberamtmann Bertschinger hatte dies danach gereut.

Auch 1809 meldete Bertschinger an die Regierung, die wegen des in Deutschland ausgebrochenen Krieges beunruhigt war, dass die aufrührerischen Reden von einem gewissen Rudolf Gloor aus Unterkulm kaum Zuhörer fände.

Um 1814 waren die Eigentumsverhältnisse im Schwaderhof nach mehreren Erbteilungen schwierig geworden. So erwarben Die Brüder Gloor 1814 einen halben Hausplatz 112 m2, die halbe Hinterstube, den Keller darunter, zusammen mit Friedli Gloor die halbe Küche und einen Viertel des Tenns, die Hälfte des hinteren Stalles und das Mistgrüblein samt Inhalt, ein Plätzlein Krautgarten und einen Anteil an der Einfahrt.

1824 bauten die Söhne von Rudolf Gloor, des Uhrmachers, Hans Jakob und sein Sohn Rudolf im Schwaderhof eine Spinnereifabrik.

1830 grub Jakob Gloor, des Uhrenfabrikanten Sohn, den Dorfbach ab um das Wasser für seine Web- und Spinnmaschinen zu nutzen. Nach einem Aufwendigen Prozess endete die Geschichte zugunsten der Gemeinde.

Die im Sonderbund 1847 gefallenen Familienmitglieder:
Gloor Hans Ulrich, Sohn von Rudolf, Füsilier aus Leutwil, 23-jährig Fabrikarbeiter. Er hinterliess 5 unmündige Kinder und hundert Franken Schulden.
Gloor Rudolf, Sohn von Hans Jakob, Füsilier von Birrwil, 25-jährig, Fuhrmann, ledig.
Gloor Jakob aus Birrwil, Sohn von Jakob, 23-jährig. Er hinterliess 5 Kinder,
Verwundet wurden: Gloor Jakob, Füsilier aus Birrwil, 25-jährig, Fabrikarbeiter. Er erhielt einen Bajonettstich in die Nase.

Um 1860 betrieb ein Johannes Gloor eine Strohgeflechtsfabrik in Alliswil. Dazu gehörten ein Fabrikantengebäude, Fabrikgebäude, Scheune und ein Steingebäude als Warenmagazin. 1885 brannten alle diese Liegenschaften vollständig ab.

1860 wurden die umliegenden Gemeinden dazu verpflichtet die Landstrasse in Stand zu stellen. Die Bürger von Alliswil und Schwaderhof wurden zum Gemeinwerk aufgeboten. Die Schwaderhöfler (Gloor) kamen einfach nicht. Darauf gerieten sie in Streit. Als Samuel Gloor, Gemeinderat, fünf Alliswiler mit ehrverletzenden Worten beleidigte, wurde die turbulente Versammlung aufgelöst und die Schwaderhöfler beim Bezirksamt Lenzburg angezeigt. Samuel Gloor musste sich entschuldigen und die Schwaderhöfler ihren Teil der Strasse reparieren.

1874 baute der Strohfabrikant Gloor in Alliswil eine Scheune so nahe an der Schule, dass durch deren Fenster kein Licht mehr eindringen konnte. Daraufhin mussten die Kinder von Alliswil in Boniswil zur Schule geschickt werden. Diese Geschichte produzierte Prozessdrohungen, Verdacht auf Bestechung der Schulbehörde und diverse Gemeindeversammlungen, bei denen wegen Verwandtschaft jeweils ein Drittel aller Stimmberechtigen in den Ausstand treten mussten. Am Schluss musste Fabrikant Gloor Franken 1400.- bezahlen, für die Kosten der Aufstockung der Schule.

Rudolf Gloor-Häusermann ist Begründer der Birrwiler Schmiededynastie, so baute er 1881 die freistehende Schmitti und 1888 das dazugehörende Wohnhaus. Er war von 1892-1909 Gemeindepräsident und viele Jahre Bezirksrichter.

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