GLOOR

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Reformation im Aargau

Reformationswirren

Nachdem sich 1519 die Reformation in Zürich endgültig durchgesetzt hatte, begannen Ulrich Zwingli und Gleichgesinnte mit der Verbreitung der neuen Lehre in der Grafschaft Baden, zunächst in jenen Dörfern des Limmattals, die vollständig unter zürcherischer Kontrolle standen und somit dem Einfluss des Landvogts entzogen waren. Auch in der Umgebung von Aarau und in den Freien Ämtern begannen ab 1523 einzelne Priester mit der Verbreitung des reformatorischen Gedankenguts.

Die Innerschweizer Orte beschlossen 1524 die Beibehaltung des Katholizismus und versuchten diesen Anspruch in den Gemeinen Herrschaften durchzusetzen. Zu diesem Zweck veranstalteten sie 1526 die Badener Disputation. Der deutsche Theologe Johannes Eck überzeugte die Geistlichen aus Baden und Umgebung, beim alten Glauben zu bleiben, während Johannes Oekolampad vergeblich für die Sache der Reformation warb. Doch vor allem in der Region Zurzach und im unteren Freiamt um Wohlen und Bremgarten gewann die Reformation immer mehr Anhänger.

Bern verhielt sich zunächst neutral und war unentschlossen. Doch nach der Berner Disputation im Januar 1528 wurde die Reformation in sämtlichen bernischen Untertanengebieten eingeführt, also auch im Berner Aargau. Bern löste alle Klöster auf und beschlagnahmte sämtliche Güter geistlicher Herren. Vor allem die Städte profitierten von dieser Massnahme, da die Klöster vorher starke wirtschaftliche Konkurrenten gewesen waren.

Zwischen Bern und Zürich gab es nun einen schmalen katholischen Gebietsstreifen, in dem aber bereits die Hälfte der Pfarreien zum neuen Glauben übergetreten war. Schliesslich kam es im Juni 1529 zum Ersten Kappelerkrieg, der jedoch weitgehend ohne Kampfhandlungen blieb. Im Ersten Landfrieden setzten die reformierten Orte durch, dass jede Gemeinde den Glauben frei wählen durfte.

Doch nach dem Zweiten Kappelerkrieg von 1531, in dem die katholischen Orte siegreich hervorgegangen waren, wurden gemäss dem Zweiten Landfrieden die alten Verhältnisse rigoros wieder hergestellt. Die Grafschaft Baden und die Freien Ämter wurden rekatholisiert, teilweise unter Anwendung von Gewalt. Nur in Zurzach und Tegerfelden hielt sich eine reformierte Mehrheit, ebenso in den Gemeinden des östlichen Limmattals. Gebenstorf, Birmenstorf und Würenlos blieben konfessionell gemischt. Heinrich Bullinger, der Stadtpfarrer von Bremgarten, musste nach Zürich fliehen und wurde zum Nachfolger des verstorbenen Ulrich Zwingli gewählt.

Das unter österreichischer Herrschaft stehende Fricktal blieb von diesen Ereignissen weitgehend unberührt. Kleine reformierte Minderheiten in Rheinfelden und Laufenburg wurden rekatholisiert oder wanderten mit der Zeit nach Basel aus.

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Innere Gegensätze und Konflikte

Nach den Reformationswirren vertiefte sich der Gegensatz zwischen den einzelnen Landesgegenden im Aargau immer mehr. In den katholischen Gebieten wurden die Missstände, die letztlich zur Reformation geführt hatten, erst nach dem Konzil von Trient im Jahr 1563 nach und nach behoben. Es folgte eine religiöse Erneuerung, die ihren Ausdruck im Bau prunkvoller barocker Kirchenbauten und der Zunahme von Wallfahrten fand. Das Kloster Muri wurde zu einem Zentrum der Barockkunst.

Über ein Jahrhundert lang richteten sich die Menschen im Aargau nach zwei verschiedenen Kalendern. Die reformierten Orte weigerten sich, den 1582 von Papst Gregor XIII. eingeführten gregorianischen Kalender anzuwenden. Die daraus resultierende gegenseitige Missachtung der Feiertage führte immer wieder zu schweren Spannungen. Erst 1701 wurde die Differenz von zehn Tagen ausgeglichen, als auch die reformierten Orte den verbesserten Kalender annahmen.

Die Anzahl der Feiertage, an denen nicht gearbeitet werden durfte, erhöhte sich im Laufe der Zeit immer mehr. Aufgrund der dadurch verursachten geringeren Produktivität gerieten die katholischen Gebiete wirtschaftlich immer mehr ins Hintertreffen. Wegen der Zersplitterung der politischen Zuständigkeiten unternahm in den Gemeinen Herrschaften niemand etwas zur Verbesserung der Situation. Nur im Fricktal versuchten die Habsburger mit der Einführung einer Staatskirche Gegensteuer zu geben. Unter Maria Theresia und Joseph II. wurden zahlreiche Feiertage abgeschafft, mehrtägige Wallfahrten wurden verboten. Da die Kontrollen jedoch ziemlich nachlässig waren, übten die Bewohner des Fricktals ihre althergebrachten Bräuche im Geheimen aus.

Die aufgebauten Spannungen entluden sich 1656 im Ersten Villmergerkrieg. Nachdem die Behörden des Standes Schwyz zahlreiche Reformierte vertrieben, der Inquisition übergeben oder hingerichtet hatten, erklärte Zürich den katholischen Orten den Krieg. Doch der Feldzug war schlecht organisiert: Die verbündeten Berner Truppen unterlagen am 24. Januar bei Villmergen den Innerschweizern. Der am 7. März abgeschlossene Friedensvertrag bestätigte die seit 1531 bestehenden Verhältnisse. In Baden wurde die 1415 zerstörte Festung Stein wieder aufgebaut.

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Teilung der Freien Ämter

Der Konflikt brach 1712 erneut aus, als die reformierten Bewohner des Toggenburgs gegen den Abt von St. Gallen revoltierten. Der Zweite Villmergerkrieg fand zunächst hauptsächlich in der Ostschweiz statt, verlagerte sich dann aber nach Westen. Im Mai besetzten die Berner Mellingen, die Zürcher Bremgarten, in der Staudenschlacht bei Fischbach-Göslikon vermochten sich die Berner Truppen aus einem Hinterhalt der Innerschweizer zu befreien. Schliesslich kam es am 25. Juli wieder bei Villmergen zur Entscheidungsschlacht, wo die Innerschweizer durch die Berner vernichtend geschlagen wurden.

Die Herrschaftsverhältnisse in den Gemeinen Herrschaften veränderten sich grundlegend. Die Freien Ämter wurden in eine untere und obere Hälfte geteilt. Die schnurgerade Trennlinie führte von der Kirche in Oberlunkhofen zum Galgen in Fahrwangen und teilte auch das Dorf Boswil in zwei Hälften. In den oberen Ämtern durften die katholischen Orte zwar noch mitbestimmen, doch in den unteren Ämtern regierten nur noch die reformierten Orte Bern, Zürich und Glarus im Verhältnis 7:7:2. In der Grafschaft Baden wurden die katholischen Orte gänzlich von der Macht ausgeschlossen, auch hier regierten Bern, Zürich und Glarus im Verhältnis 7:7:2. Die Festung Stein in Baden wurde erneut geschleift und die Überreste zum Bau einer reformierten Kirche verwendet, was die katholischen Badener zutiefst demütigte.



Nach 1712 nahm die Bedeutung Badens als Tagungsort markant ab; es fanden nur noch wenige Tagsatzungen statt. Daran konnte auch ein Kongress im Jahr 1714 nichts ändern, der zur Lösung des Spanischen Erbfolgekrieges stattfand und am 7. September mit dem Frieden von Baden (im Prinzip einer Bestätigung des Rastatter Friedens) abgeschlossen wurde.

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