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Hochmittelalter Geschichte

Der Adel im Aargau

Das genaue Alter der ersten Burgen lässt sich nur schwer abschätzen. Die Geschichte der Burg Alt-Homberg im Fricktal reicht mindestens bis ins 10. Jahrhundert zurück. Die grösste und bedeutendste Burganlage im Aargau, das Schloss Lenzburg, entstand im frühen 11. Jahrhundert und wurde 1036 erstmals urkundlich erwähnt. Es war der Stammsitz der Grafen von Lenzburg, die im Seetal herrschten; ein zweites Machtzentrum befand sich um Baden mit der Burg Stein.

Die Lenzburger starben 1173 aus. Kaiser Barbarossa regelte auf Schloss Lenzburg persönlich die Erbfolge und vergab einen Grossteil der Ländereien an seinen Sohn, Pfalzgraf Otto. Doch nach dessen Tod im Jahr 1200 konnten die Kyburger ihren Erbanspruch durchsetzen und die Staufer aus dem Aargau verdrängen. Die Kyburger stiegen nach dem Aussterben der Zähringer im Jahr 1218 zum mächtigsten Adelsgeschlecht im Aargau auf, starben ihrerseits jedoch 1264 ebenfalls aus.

Weitere bedeutende Adelsgeschlechter mit umfangreichem Besitz im Aargau waren die Froburger, die Regensberger und die Herren von Klingen. Daneben gab es Dutzende von niederen lokalen Adelsfamilien, von denen die Herren von Hallwyl die bedeutendsten waren.

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Keimzelle des Habsburgerreichs

Die grössten Konkurrenten der Kyburger um die Vorherrschaft im Voralpenraum waren die Grafen (später Herzöge) von Habsburg. Diese stammten ursprünglich aus dem Elsass und konnten dort sowie im Breisgau und im Frickgau grosse Gebiete erwerben. Im 10. Jahrhundert liessen sie sich in Altenburg bei Brugg nieder und machten das Eigenamt zum Zentrum ihrer Aktivitäten. Unweit von Altenburg liess Radbot um das Jahr 1020 die «Habichtsburg» (die spätere Habsburg) errichten und machte sie zu seinem neuen Stammsitz. Sein Enkel Otto II. war der erste, der sich «von Habsburg» nannte.

Aufgrund geschickter Heiratsverbindungen waren es meist die Habsburger, die beim Aussterben eines anderen Adelsgeschlechts das Erbe antraten und so ihren Besitz erweiterten. 1223 traten sie das Erbe der Alt-Homberger an und erlangten so die Kontrolle über den strategisch wichtigen Bözbergpass. 1232 spaltete sich die Seitenlinie Habsburg-Laufenburg ab. Die Laufenburger besassen jedoch bloss relativ unbedeutende Gebiete um Laufenburg und in Obwalden. Diese Linie verarmte und erlosch 1386 mit dem Verkauf der letzten Besitzungen an die Hauptlinie.

Unter Rudolf I. stiegen die Habsburger zu einer europäischen Grossmacht auf. 1264 lösten sie die Kyburger nach deren Aussterben als grösste Territorialmacht in der Nordschweiz ab. Nach der Wahl Rudolfs zum deutschen König im Jahr 1273 verlagerte sich die Macht der Habsburger nach Österreich. Doch auch in den Stammlanden dehnten sie sich weiter aus: So verkaufte 1291 das elsässische Kloster Murbach für 2000 Mark Silber zahlreiche Dörfer im Aargau sowie die Stadt Luzern an die Habsburger. Diese Transaktion war einer der Gründe, die zur Entstehung der Eidgenossenschaft führten.

Die Eidgenossenschaft war es auch, die die Habsburger in ihren Stammlanden immer mehr bedrängte. Einen ersten Dämpfer erhielt die Expansionspolitik 1315 nach der verlorenen Schlacht am Morgarten. 1351 zogen Zürcher Truppen durch den Ostaargau. Sie verwüsteten Baden und Siggenthal und zerstörten die Burg Freudenau bei Untersiggenthal. Als die Gugler 1375 plündernd durch das Mittelland zogen, kam der Aargau im Gegensatz zu seinen westlichen Nachbarn relativ glimpflich davon; allerdings wurde die Stadt Lenzburg aus taktischen Gründen geschleift und wenig später wieder aufgebaut. Die Stellung des aargauischen Landadels wurde nach der verlorenen Schlacht bei Sempach im Jahr 1386 empfindlich geschwächt. Immer deutlicher zeichnete sich eine Verlagerung der Macht der Habsburger nach Osten ab.

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Gründung von Städten und Klöstern

Um 1100 gab es im Aargau noch keine einzige Stadt. Dann jedoch setzte eine Welle von Stadtgründungen ein, die zwischen 1230 und 1240 ihren Höhepunkt erreichte, als nicht weniger als sechs Städte entstanden. Die Initiative zur Stadtgründung ging von Adligen aus, die damit ihren Herrschaftsbereich stärken und neue Einnahmequellen schaffen wollten.

Die erste aargauische Stadt war Rheinfelden, das zwischen 1130 und 1140 von den Zähringern gegründet wurde. Im frühen 13. Jahrhundert folgten die Frohburger, die Zofingen gründeten. Die ersten habsburgischen Städte waren Brugg (nach 1200) und Laufenburg (vor 1207). Innerhalb von zehn Jahren entstanden vier Städte der Kyburger; Baden und Mellingen um 1230 sowie Aarau und Lenzburg um 1240. Ebenfalls in diese Zeit fällt die Gründung der habsburgischen Stadt Bremgarten (ca. 1230) sowie von Klingnau. Nur von Klingnau ist das genaue Gründungsdatum bekannt; diese Stadt wurde am 26. Dezember 1239 durch die Herren von Klingen gegründet. Als letzte folgten die habsburgischen Städte Meienberg (nach 1250) und Aarburg (nach 1300) sowie Kaiserstuhl (ca. 1254), die einzige Stadtgründung der Regensberger auf Aargauer Gebiet.

Einige Orte blieben in der Entwicklung stecken. Das bekannteste Beispiel ist Zurzach: Der Ort besass eine städtische Bauweise, war dank der Zurzacher Messe ein überregional bedeutendes Wirtschaftszentrum und stellte damit alle Aargauer Städte in den Schatten. Das Stadtrecht wurde jedoch nicht verliehen, da es in unmittelbarer Umgebung bereits drei Städte gab, die unter der Kontrolle des Bischofs von Konstanz waren (Klingnau, Tiengen, Waldshut). Biberstein erhielt zwar 1399 eine Ringmauer, hatte aber weder Markt- noch Stadtrecht und sank zu einem Dorf ab. Meienberg wurde 1386 nach der Schlacht bei Sempach von den Eidgenossen zerstört und blieb bis heute ein kleines Bauerndorf. Kaiserstuhl ist seit seiner Gründung nur unwesentlich gewachsen.

Neben Adligen und Städten übten auch verschiedene Klöster weltliche Macht aus. Diese waren während Jahrhunderten auch Zentren der Kunst und des Wissens. Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert entstanden auf Aargauer Boden dreizehn Klöster und drei Chorherrenstifte. Die bedeutendsten Abteien waren Muri (1027, Benediktiner), Wettingen (1227, Zisterzienser) und Königsfelden (1309, Franziskaner). Auch Klöster ausserhalb des Aargaus hatten grossen Einfluss, insbesondere Sankt Blasien und Säckingen sowie das Bistum Konstanz. Ebenfalls über grossen Besitz verfügten der Johanniterorden (Biberstein, Leuggern, Rheinfelden) und der Deutschritterorden (Hitzkirch). Zwischen 1588 und 1650 entstanden im Aargau zudem fünf Klöster der Kapuziner.

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Eroberung des Aargaus

Die latenten Spannungen zwischen dem deutschen König Sigmund und dem österreichischen Herzog Friedrich IV. entluden sich 1415 am Konzil von Konstanz, als Friedrich einem der drei damals amtierenden Päpste, Johannes XXIII., zur Flucht aus der Stadt verhalf. Sigmund sah darin eine Chance, seinem Widersacher zu schaden. Er forderte die Nachbarn der Habsburger auf, deren Ländereien im Namen des Reiches einzunehmen.

Den Eidgenossen fiel die Aufgabe zu, den Aargau zu besetzen, obwohl sie erst drei Jahre zuvor einen Friedensvertrag mit Österreich abgeschlossen hatten. Bern zeigte am wenigsten Skrupel und liess sofort Truppen losmarschieren. Zürich und die Innerschweizer Orte zögerten wegen des Friedensvertrages zunächst, zogen aber dennoch los, um den Bernern nicht alles überlassen zu müssen. Nur Uri beteiligte sich nicht am Feldzug.

Zofingen fiel am 18. April in die Hand der Berner. Sechs Tage später waren Aarau, Brugg, Lenzburg und die Habsburg erobert, meist ohne grosse Gegenwehr. Luzern belagerte Sursee und unterwarf das Michelsamt sowie die Ämter Meienberg und Richensee. Zürich besetzte das Freiamt Affoltern und das Kelleramt. Nach der Kapitulation Mellingens vereinigten sich die Zürcher mit den Truppen von Luzern, Glarus, Schwyz, Unterwalden und Zug. Zusammen erzwangen sie am 24. April die Kapitulation von Bremgarten. Die Dörfer in der Gegend um Villmergen schlossen sich freiwillig Luzern an.

Am 25. April begann die Belagerung von Baden, wo die Truppen des österreichischen Landvogts Burkart von Mansberg Widerstand leisteten. Die Verteidiger gaben am 3. Mai die Stadt auf und zogen sich auf die Festung Stein zurück. Die Berner, die sich bereits auf dem Rückweg befanden, wurden am 9. Mai um Unterstützung gebeten. Am 11. Mai unterzeichnete von Mansberg einen Waffenstillstand. Nachdem die Verteidiger sich am 18. Mai ergeben hatten, wurde die Festung sofort geschleift.

Noch während des Feldzugs hatte sich Herzog Friedrich mit König Sigmund versöhnt, der eine sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und die Rückgabe der eroberten Gebiete forderte. Nur die Eidgenossen hielten sich nicht daran. Dieses Problem wurde mit dem Erwerb der Pfandschaft über den Aargau formaljuristisch gelöst, wodurch die Eidgenossen de facto die Landesherrschaft übernahmen. Das habsburgische Hausarchiv in der Festung Stein wurde nach Luzern überführt und erst 1474 an die Habsburger zurückgegeben. Im selben Jahr verzichteten die Habsburger endgültig auf sämtliche Gebietsansprüche.

Da sich die Eidgenossen vor dem Feldzug nicht abgesprochen hatten, waren sie sich über zehn Jahre lang in der Aufteilung der eroberten Gebiete uneinig. Bern setzte sich schliesslich durch und durfte sämtliche eroberten Gebiete im Unteraargau (den so genannten Berner Aargau) behalten. Zürich erhielt das Kelleramt und das Freiamt Affoltern, Luzern das Michelsamt. Allerdings musste Luzern 1425 die Ämter Richensee und Meienberg sowie die Gegend um Villmergen an den gemeinsamen Besitz zurückgeben.

Aus dem gemeinsamen Besitz, einem durchschnittlich 15 Kilometer breiten Gebietsstreifen, wurden zwei Gemeine Herrschaften gebildet, die Freien Ämter und die Grafschaft Baden. Für den Alltag der Bewohner des Aargaus hatte die Eroberung vorerst keine grossen Auswirkungen. Die Eidgenossen übernahmen lediglich diejenigen landesherrschaftlichen Rechte, die vorher den Habsburgern gehört hatten; in manchen Dörfern betraf der Wechsel lediglich die hohe Gerichtsbarkeit, während die niedere Gerichtsbarkeit in den Händen von Städten, lokalen Adligen oder Klöstern blieb.

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Entwicklung in den einzelnen Herrschaftsgebiete

Berner Aargau

Nur im Berner Aargau änderten sich die territorialen Verhältnisse grundlegend. Den Bernern gelang es, im Jura neue Gebiete dazu zu gewinnen und die Jurapässe zu sichern. 1460 eroberten sie die Herrschaft Schenkenberg, während des Waldshuterkriegs im Jahr 1468 die Herrschaft Wessenberg mit den Dörfern Hottwil und Mandach. Während des Schwabenkriegs von 1499 wurde die Herrschaft Biberstein besetzt. 1502 erfolgte der Kauf des Niedergerichts Urgiz mit dem Dorf Densbüren. Mit dem Kauf der Herrschaft Bötzberg (Bözen, Effingen und Elfingen) im Jahr 1514 fand die Expansionspolitik der Berner ihren Abschluss.

Im Verlauf von mehr als dreihundert Jahren gelang es den Bernern, die herrschaftlichen Rechte lokaler Herrscher fast vollständig aufzukaufen oder an sich zu reissen. Der Einfluss des Adels sank bis zum 18. Jahrhundert auf ein Minimum, der Berner Aargau entwickelte sich langsam zu einem Staatswesen moderner Prägung. Zu Beginn war das Gebiet von einem einzigen Landvogt von Aarburg aus verwaltet worden. Später kamen die Vogteien Lenzburg (1442), Schenkenberg (1460), Biberstein (1499), Zofingen (1528), Königsfelden (1528) und Kasteln (1732) hinzu. Die straffe Verwaltung förderte die wirtschaftliche Entwicklung: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Berner Aargau die am stärksten industrialisierte Gegend der Schweiz.

Der Alte Zürichkrieg hatte auch auf den Berner Aargau Auswirkungen. Am 30. Juli 1444 wurde Brugg in der so genannten «Brugger Mordnacht» von habsburgischen Truppen geplündert und niedergebrannt. Im Februar 1499, während des Schwabenkriegs, zog ein österreichisches Heer plündernd durch das Amt Schenkenberg; sie wurden dabei von Bauern aus dem Mettauertal unterstützt. Als Vergeltung verwüsteten die Berner zusammen mit den Freiburgern die Dörfer nördlich der Staffelegg bis hinunter nach Frick.

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Freie Ämter

Die Freien Ämter waren eine Gemeine Herrschaft und setzten sich aus den ehemaligen habsburgischen Verwaltungsbezirken Meienberg, Muri und Richensee sowie dem Nordostteil des Amts Lenzburg zusammen. Die sechs regierenden Orte Glarus, Luzern, Schwyz, Unterwalden, Zug und Zürich besetzten das einflussreiche Amt des Landvogts abwechslungsweise für jeweils zwei Jahre. Der Landvogt hatte keine feste Residenz, sondern erschien lediglich dreimal jährlich, um die schweren Gerichtsfälle zu erledigen und die Steuern einzukassieren. Ab 1532 stellte auch Uri Landvögte. Das Kelleramt südöstlich von Bremgarten wurde von Zürich erobert, das jedoch lediglich die hohe Gerichtsbarkeit übernahm, während die niedere Gerichtsbarkeit im Besitz der Stadt Bremgarten blieb.

Die Zuständigkeiten im Gerichtswesen und die Grundherrschaften waren stark zersplittert. Bedeutendster Grundherr, grösster Wirtschaftsfaktor und Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit in den meisten Orten war das Kloster Muri. Diese Benediktinerabtei galt Ende des 17. Jahrhunderts als reichstes Kloster der Schweiz. Weitere Gerichts- und Grundherren waren das Kloster Hermetschwil, die Städte Bremgarten, Mellingen, Luzern und Zug sowie einzelne lokale Adlige. Das Amt Merenschwand gehörte schon seit 1394 zu Luzern und war nicht Teil der Freien Ämter.

Da die Obrigkeit alle zwei Jahre wechselte, war die Verwaltung weit weniger stark ausgebildet als beispielsweise im Berner Aargau, die Untertanen konnten sich mehr erlauben als anderswo und wurden fast nie zum Militärdienst eingezogen. Die regierenden Orte waren meist nur an den Steuereinnahmen interessiert und kümmerten sich sonst wenig um das Gebiet. Doch die nachlässige Kontrolle hatte auch Nachteile: So war das Freiamt ein Sammelbecken für Bettler und Landstreicher aus der ganzen Eidgenossenschaft. Die Wirtschaft entwickelte sich kaum, weil die Sicherheit bei Investitionen nicht gewährleistet war.

In Wohlenschwil, im äussersten Nordwesten der Freien Ämter, fand am 3. Juni 1653 das entscheidende Gefecht im Schweizer Bauernkrieg statt. Die aufständischen Bauern aus den Berner und Luzerner Untertanengebieten unterlagen hier den Zürcher Truppen.

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Grafschaft Baden

Die Grafschaft Baden war eine Gemeine Herrschaft, die durch die sieben Orte verwaltet wurde, die am Feldzug von 1415 beteiligt gewesen waren. Ab 1443 wurde auch Uri in die Regierung miteinbezogen. Jeder Ort stellte für jeweils zwei Jahre einen Landvogt, der im Badener Landvogteischloss residierte. Nur in einzelnen Dörfern verfügte der Landvogt über die finanziell einträgliche niedere Gerichtsbarkeit, so dass die Grafschaft Baden für die Eidgenossenschaft zunächst eher ein Verlustgeschäft war. Bedeutende Gerichts- und Grundherren waren das Kloster Wettingen, das Kloster St. Blasien, die Johanniterkommende Leuggern und das Bistum Konstanz. Die Städte Baden, Bremgarten und Mellingen waren weitgehend autonom und gehörten nur verwaltungstechnisch zur Grafschaft Baden.

Die eidgenössischen Landvögte konnten im Verlauf der Jahrhunderte die Rechte der weltlichen und geistlichen Herrschaften nach und nach an sich ziehen. Nicht jedoch in den Dörfern des östlichen Limmattals; hier hatte Zürich schon bald fast uneingeschränkte Machtbefugnisse. Heute gehören diese Gemeinden ausnahmslos zum Kanton Zürich, Altstetten ist sogar ein Stadtteil Zürichs.

Die Verwaltung der gemeinsam eroberten Gebiete machte häufigere Absprachen zwischen den einzelnen Orten nötig. Zu diesem Zweck trafen sich die Abgesandten ab 1416 zu Tagsatzungen, die im Baden durchgeführt wurden. Zwar fanden Tagsatzungen auch in anderen Städten statt, doch Baden war aufgrund der Bäder und der damit verbundenen Zerstreuungen besonders beliebt. Die wichtigsten Geschäfte, die die ganze Eidgenossenschaft betrafen, wurden ausschliesslich in Baden verhandelt, so z.B. ab 1424 die Abnahme der Jahresrechnungen sämtlicher Gemeinen Herrschaften, aber auch Entscheidungen über Krieg und Frieden.

Die unmittelbare Nähe zu Zürich hatte auch eine Verwicklung in den Alten Zürichkrieg zur Folge. Baden, Mellingen und Bremgarten hatten sich 1444 mit Zürich verbündet und sich gegen die Eidgenossenschaft gestellt. In der Folge wurden diese drei Städte von den Eidgenossen belagert und zurückerobert. Während es Schwabenkriegs wurden die Dörfer im Kirchspiel Leuggern (im Nordwesten der Grafschaft gelegen) geplündert und teilweise niedergebrannt.

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Fricktal

Das Fricktal war 1415 nicht durch die Eidgenossen erobert worden und blieb als Teil Vorderösterreichs im Besitz der Habsburger. Der vorderösterreichische Landvogt residierte zuerst in Ensisheim im Südelsass. Nach der Eroberung des Elsass durch Frankreich im Jahr 1651 wurde das Fricktal von Freiburg im Breisgau aus regiert; der Rhein bildete im Gegensatz zu heute keine politische Grenze. Administrativ war das Fricktal in die Kameralherrschaften Rheinfelden und Laufenburg aufgeteilt, die dem Oberamt Freiburg im Breisgau unterstanden.

Das Gebiet war uneinheitlich strukturiert. Zahlreiche Dörfer unterstanden direkt der österreichischen Verwaltung, während in anderen Adlige und Geistlichkeit einzelne Herrschaftsrechte besassen, insbesondere die niedere Gerichtsbarkeit. Der bedeutendste Grundbesitzer und grösste wirtschaftliche Macht war das Damenstift in Säckingen.

Im Vergleich zu den anderen Gebieten litt das Fricktal viel stärker unter kriegerischen Konflikten. Im Alten Zürichkrieg belagerten Bern, Basel und Solothurn erfolglos die Stadt Laufenburg. Rheinfelden verbündete sich 1445 mit Basel, musste sich aber 1449 nach einer mehrmonatigen Belagerung wieder der österreichischen Herrschaft unterwerfen. 1469 verpfändeten die Habsburger das Fricktal an Burgund, um Geld für die Kriegsentschädigung nach dem Waldshuterkrieg auftreiben zu können. Nach den für die Burgunder verheerend verlaufenen Burgunderkriegen erlangte Habsburg 1477 wieder die Kontrolle.

Im Schwabenkrieg von 1499 zogen Bauern aus dem Mettauertal unter Duldung Österreichs plündernd durch die Nachbardörfer im Berner Aargau. Als Gegenreaktion erfolgte die Verwüstung der Dörfer zwischen der Staffelegg und Frick durch Berner und Freiburger. Im Rappenkrieg (1612 bis 1614) wehrten sich die Fricktaler Bauern erfolglos gegen eine Steuererhöhung. Zwischen 1633 und 1638 war das Fricktal als eines der wenigen Gebiete der heutigen Schweiz direkt vom Dreissigjährigen Krieg betroffen. Schwedische, französische und österreichische Truppen zogen durch die Region. Am Ende waren mehr als ein Drittel aller Häuser zerstört und die verarmte Bevölkerung benötigte Jahrzehnte, um die Kriegsfolgen zu bewältigen.

Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs zogen französische Truppen durch das Fricktal, bis sie von den Eidgenossen gestoppt wurden. 1689 musste die vorderösterreichische Regierung für anderthalb Jahre nach Klingnau ins Exil fliehen. Während des Spanischen Erbfolgekriegs, des Österreichischen Erbfolgekriegs und des Siebenjährigen Kriegs war das Fricktal zwar nicht in Kampfhandlungen verwickelt, doch die Bevölkerung litt unter hohen Kriegssteuern, die das wirtschaftliche Leben massiv beeinträchtigten.

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